14. Mai 2012

Trdelník - oder: Das süße Leben in Prag

Der Frühling in Prag ist eine schöne Angelegenheit. Zwischen all den tollen Historismus-, Jugendstil- und Barockfassaden schimmern frisch ergrünte und beblühte Bäume. Der Petřín thront über der Stadt und lockt an heißen Tagen mit Waldeskühle. Zwischen gefühlt millionen anderen Touristen versteckt sich trotzdem noch hier und da ein ruhiges Plätzchen. Nach heißen Tagen findet sich in einer der zahlreichen kleineren Brauereien immer ein schmackhaftes Bier zur Erfrischung. Während aber auch in Prag die Globalisierung mit unendlich vielen Pizza e Pasta Restaurantes und China-all-you-can-eat-Buffets Einzug hält, haben eben diese Brauereien noch defftiges böhmisches im Angebot. Knödel jeden Tag! 
Mein kleines Herz sprang aber vor allem dann vor lauter Freude, wenn meine Nase auf der Straße einen buttrig-süßen Duft erhaschen konnte. Mit großen Kinderaugen stand ich da vor diesen kleinen Ständen, bei denen weicher Hefeteig auf schnellen Rollen über heißer Kohle dreht. Trdelník. (Vor sieben Jahren, bei meinem letzten Pragbesuch, war mir dieses feine Gebäck noch nicht untergekommen. Auf meine Nase war wohl nicht immer Verlass.)


Nun bin ich an mehreren Ständen überall in der Stadt hängen geblieben. Die gerollten Teigrollen werden immer ganz frisch zubereitet. Ein etwa brötchengroßes Stück Teig wird zu einem langen Strang gedreht und um den heißen, gebutterten Trdlo aus Holz oder Metall gewunden. Je nach Trdlo-Größe können 2-5 Portionen auf einmal gedreht werden. Nachdem der Teig ein wenig angedrückt wurde, kommt die Rolle auf ein Gestell über heißen Kohlen, wo sich alles geschwind dreht und so den Teig gleichmäßig bräunt. Bei angemessener Bräune wird der Trdlo von den Kohlen geholt und der Teig noch heiß in einer Zuckermischung mit Mandeln, Walnüssen und/oder Zimt gerollt. Immer noch heiß werden die einzelnen Trdelník von dem Trdlo vorsichtig runter geschoben, in eine Serviette gepackt und in erwartungsvolle Hände gelegt (manchmal, nicht immer, werden die Rollen auch nochmal gebacken, wie im Bild zu sehen). Der weiche Teig mit knuspriger Hülle ist ein wahrer Glücksbringer. Selig lächelnd mit einem Trdelník in den Händen konnten mich da auch die millionen anderen Touristen nicht mehr stören.


Ursprünglich stammt dieses Gebäck wohl aus dem Szeklerland und ist auch als Skalický trdelník in der EU geschützt. Heute scheint es aber eben auch in der tschechischen Republik, Ungarn und in der Slowakei verbreitet zu sein. Den Teig auf heißen Rollen kennen wir in Deutschland auch vom Baumkuchen, wobei der Teig und die Herstellung ein wenig anders sind. Wer hier in Deutschland aber gerne Trdelník selber machen möchte (denn nach Prag ist es ja doch was weit, zumindest vom Rheinland aus) findet hier eine kleine Anregung wie es gehen könnte. 


Andererseits, wieso nicht in jedem Frühling nach Prag, um diese Aussicht genießen zu können...

Kommentare:

  1. Prag ist wirlich eine Reise wert und lasst euch führen sonst verpasst man viel!!!!

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  2. Ich war selbst schon in Prag und kann sagen es ist wiklich eine Reise wert. ich habe damals keine Führung gemacht und trozdem sehr viel gesehen gerade weil Prag gut zu erlaufen ist. Besonders dieses oben beschriebene süße Hefe Gebäck ist sehr lecker und wirklich an jeder Ecke zu finden.

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