18. April 2012

Wer Geduld hat bekommt Karamelcreme

Vor Jahren mal habe ich schonmal was in Richtung Karamel selber machen versucht. Da war ich aber noch Kind und ganz verzückt von der Idee in meinem Kinderkochbuch: Sahne-Karamel-Bonbons selber machen. Aus Sahne, Honig und Zucker sollte eine Karamelmasse zusammengekocht, auf einem Brett verstrichen, in Stücke geschnitten und nach dem Abkühlen hübsch verpackt werden. Oh, was war ich aufgeregt. Zusammen mit meiner Mutter stand ich in der Küche und war ganz gespannt, wann die Masse denn endlich hellbraun wird. Dann haben wir das Zeug auf ein Blech gegossen und warteten darauf, dass es schnittfest wird. 
Und warteten. 
Und warteten.
Es wurde nicht fest. Auch am nächsten Tag hatte es immernoch eine seltsame klebrige Konsistenz, die garantiert nicht hübsch verpackt werden kann. Ihr könnt euch meine Entäuschung darüber wahrscheinlich vorstellen. Das hat mich natürlich nicht vom Essen abgehalten, ist ja klar. 
Wenn ich heute daran zurückdenke war das ganze bestimmt schon damals ein Wink mit dem Zaunpfahl: Ich hätte sofort eine KaramelCREME machen sollen.
Hab ich auch, nur eben Jahre später.


Nach dem Rezept von dem bezauberndem Blog Photisserie hergestellt geht es tatsächlich ziemlich einfach und das Ergebniss ist ziemlich lecker (soll etwa 750ml ergeben, aber ich hab's nicht nachgemessen): 
Zunächst einmal werden 300gr Zucker mit 6 El Wasser in einem Topf bei kleiner Flamme erhitzt und so lange geköchelt, bis das ganze eine hellbraune Farbe angenommen hat. Das dauert. Das hat zumindest bei mir viiiiieeeeel länger gedauert, als ich vorher gedacht hätte. Zunächst stand ich noch sehr gespannt und aktionsbereit daneben. 
Ab und an hüpfte ich vor lauter Aufregung ein bisschen durch die Gegend. 
Dann wurde mir langweilig. 
Ich hab mir Kaffee gemacht, hab ihn in Ruhe ausgetrunken, mir ein Buch geholt, was gelesen, hab ein bisschen aus dem Fenster geschaut...
...bis mir dieser Kirmesgeruch in die Nase stieg und ein vorsichtiger Blick in den Topf tatsächlich eine leichte Färbung des Zuckers anzeigte.
Wenn sich also Wasser und Zucker verfärbt haben kommt 240gr Butter in Stückchen dazu. Sehr vorsichtig! Bei solchen Aussagen wie "sehr vorsichtig" werde ich immer ganz ernst. Denn ich weiß ganz genau, wie schmerzhaft Verletzungen in der Küche sind. (ein heißes Blech ohne Handschuhe aus dem Ofen holen wollen ist nicht gut!) In diesem Fall hatte ich für den Vorgang Butter-in-die-Zuckermasse-tun ein langärmeliges Shirt an, Hitzehandschuh und einen langstieligen Holzlöffel in der rechten Hand und so mit ganz viel Abstand zwischen mir und dem heißen Zucker die Butter stückchenweise hinein gelegt. Höchstvorsichtig. Und wahrscheinlich sah ich total bescheuert aus. Dafür habe ich von den nichtvorhandenen Spritzern auch keinen abbekommen. HA!
Nun kommen noch 5gr Salz dazu und dann soll die Masse etwa 2min köcheln, bis sich alles verbunden hat.
Zwischenzeitlich 200gr Sahne erwärmen. 
Zum Schluss das Karamel vom Herd ziehen, Sahne ordentlich, aber immer noch seeeehr vorsichtig, unterrühren. Nun könnt ihr die wundervolle Creme in vorbereitete Gläser füllen und gut verschließen (das habe ich auch wieder mit Handschuhen gemacht, die danach in die Wäsche mussten, ihr heldenhafter Einsatz hat sich also absolut gelohnt). 


Bei Zimmertemperatur ist die Sauce fast flüssig, bei Kühlschranktemperatur ist es eine streichfeste Creme.
Nach all der Aufregung lohnt es sich einen Tl der abgekühlten Karamelcreme zu probieren. Der Geschmack ist unglaublich. Mein GGG meinte nur: Das schmeckt ja WIRKLICH wie Karamel! Ja doch, insgesamt zufriedenstellender, als die doofen Sahnebonbons. Und unsere Freunde beim Osterbrunch waren auch schwer begeistert. 
Ich hab noch ein Gläschen von der Creme übrig und plane etwas ganz fantastisch-schweinisches damit. Das geht aber erst, wenn unser Ofen wieder betriebsfähig ist. Bis dahin stehle ich mir ab und zu ein Löffelchen Karamel einfach so aus dem Glas. Aber psst, verratet das bloß keinem! 

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