19. Oktober 2011

Kirsch-Quark-Schnecken

Mein Geliebter mag ja Teig- und Backwaren aller erdenklichen Art. Dementsprechend mag er auch Bäckereien und ganz besonders gerne die bei seiner Arbeit um die Ecke (ist ja klar, sowas sichert die Laune, ich mag den Falafel-Versorger bei meiner Uni um die Ecke ja auch besonders gerne). Nun scheint dieser Bäcker tatsächlich die dollsten Sachen anzubieten und ganz besonders die Kirsch-Quark-Schnecken haben es meinem Gatten angetan. Er hat mir also immer wieder von diesen Schnecken vorgeschwärmt und schließt jedesmal mit "und die sind soooooo groß"(etwa kleine-Teller-Größe mit den Händen zeigend). 
"Aber,", meinte er einmal etwas geknickt, "die haben die nicht das ganze Jahr, letzten Herbst waren die einfach verschwunden und jetzt wird es die bestimmt auch bald nicht mehr geben." Den Trennungsschmerz in seiner Stimme, mindestens ein halbes Jahr ohne Kirsch-Quark-Schnecken verbringen zu müssen, konnte ich natürlich nicht ertragen und so verlangte ich absolut selbstlos, dass er mir so ein Ding doch mal mitbringen soll, dann kann ich das ja vielleicht nachbauenbacken. Er brachte mir also vor wenigen Wochen eine der tatsächlich riesigen Schnecken und beteuerte, dass sie sonst noch größer sind und noch mehr Kirschen haben. 


Ich habe also, in der totalen Aufopferung, diese Kirsch-Quark-Schnecke gegessen. Habe sie genau untersucht. Das sind nicht nur einfache Schnecken mit einer Kirsch-Quark-Füllung. Da sind auch noch Streusel drauf. STREUSEL! Und ein Zuckerguss. Und unvermeidbarer Weise ist das ganze auch aprikotiert. Ich habe mir also Notizen gemacht (ohne Scheiß!) und am Sonntag schließlich mehrere Stunden in der Küche verbracht. Das Ergebnis möchte ich euch nicht vorenthalten, es sollen schließlich möglichst viele von meiner unfassbaren Selbstlosigkeit profitieren (nennt man sowas schon Industriespionage?): 


Für etwa 34 Schnecken (das Rezept lässt sich problemlos halbieren): 
Zunächst einmal den Hefeteig aufsetzen. Weil er so schön saftig ist, habe ich direkt das Rezept für die Hefeteilchen benutzt, und zwar mit 1 kg Mehl und entsprechend auch die anderen Zutaten verdoppelt. Während der Teig geht, 1 Glas Kirschen (350gr) abtropfen lassen. Wer mag auch mehr, die Menge hängt ganz von eurem eigenen Kirsch-Bedürfnis ab. Den Saft auffangen, mit Mineralwasser verdünnen und als unerhört süße Schorle genießen. Die Kirschen sollten wirklich rechtzeitig abgegossen werden, damit sie später nicht zu nass sind und alles durchfeuchten. 


Für die Füllung braucht ihr neben den Kirschen auch eine Quarkmasse (logisch, daher der Name). Das geht echt easy-peasy. In einer Schüssel 750gr Quark (40%igen bitte) mit 100gr Zucker und 2 Päckchen Vanillepuddingpulver mischen. Fertig ist die Quarkmasse. 


Nun noch die Streusel vorbereiten. Dafür ganz einfach 55 gr Butter, 50 gr. Zucker und 100gr Mehl zu Streuseln verarbeiten. Die extra 5gr Butter habe ich zugefügt, um die Streusel etwas robuster und knuspriger zu machen. So als Kontrast zu den weichen Schnecken. 
Wenn alles vorbereitet ist und der Teig fertig gegangen, beginnt die ganz große Sauerei. Bitte missachtet also die ganzen Mehl,-Kirschsaft und Quarkpfützen auf den folgenden Bildern. So sieht es nunmal aus, wenn ich backe.


Der Teig (hier als noch unförmiger Kloß erkennbar) sollte auf einer gut bemehlten Oberfläche zu einem etwa 30x80cm großen Rechteck ausgerollt werden. Wenn ihr dass so gut könnt wie ich, dann ist dieses Rechteck in der Mitte grundsätzlich breiter als an den Enden. Das macht nichts. Es sollte nur ungefähr regelmäßig sein. 


Auf den Teig wird nun die Quarkmasse verstrichen. Am unteren Teil des Rechtecks habe ich nur eine ganz dünne Schicht aufgetragen, damit ich die gleich entstehende Rolle ordentlich verschließen konnte. 
Auf den ganzen Quark die gut abgetropften Kirschen verteilen. 


Den Ofen schonmal auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 


Nun alles aufrollen. Ich beginne dafür an der mir abgewandten langen Seite in einer Ecke und arbeite mich von rechts nach links und wieder zurück vor. Immer schön gleichmäßig rollen und darauf achten, dass die Kirschen auch schön mit eingerollt werden. Und nicht zu locker rollen! Zum Schluss den "Saum" gut zudrücken, damits nicht wieder aufgeht.


3-4 Backbleche mit Backpapier belegen. Die Rolle nun mit einem scharfen Messer in etwa 2 cm dicke Scheiben schneiden und die so entstandenen Schnecken mit genug Abstand auf die Bleche legen. Ist ein Blech voll, dieses mit einem Tuch abdecken und an einen warmen Ort stellen, wo der Teig noch ein bisschen gehen kann, bis es in den Ofen geht.


Wenn die Rolle komplett in Schnecken verwandelt wurde, ist das erste Blech wieder dran. Das Tuch entfernen und auf jede Schnecke Streusel streuen. Dann kommt das ganze für 15-20 Minuten in den Ofen. Bitte nicht aus den Augen verlieren. Wenn die Schnecken nach 15 Minuten schon goldenbraun-braun sind, sind sie auch fertig. 


Beim rausholen fühlen sie sich in der Mitte noch sehr weich an, das liegt aber einfach nur an der Füllung. Aber wer es genau wissen will schnappt sich die erste Schnecke vom Blech, reißt sie in der Mitte auf und genießt die weiche Herrlichkeit (für verbrannte Zungen übernehme ich keine Haftung). 
Sind alle Schnecken gebacken, dann könnt ihr den Zuckerguss anrühren. Ich hab das so pi mal Daumen gemacht und für die ganze Menge etwa 400gr Puderzucker teelöffelchenweise mit Wasser glatt gerührt. Den Guss könnt ihr über die heißen oder abgekühlten Schnecken sprenckeln.
Fertig. 


Leute, diese Schnecken sind eine kleine Schweinerei und leider auch etwas aufwendiger. Aber der Aufwand und die geschätzten 1000 kcal pro Stück sind die Sünde echt wert. Dabei sind sie definitv kleiner als das Original. Aber da sind diverse Zähne und Hüften bestimmt auch dankbar für.
Das Urteil meines geliebten Gattens und seiner Kollgen und meiner Kollegen war durchweg positiv. Ich würde sagen, jetzt ist der Winter gerettet. Das darf ich doch bestimmt nochmal machen, oder?

Kommentare:

  1. Heidi ist gern Schnecken19. Oktober 2011 um 11:16

    Hallo Remy,
    soviel Aufwand und der hat sich voll gelohnt. Die kleinen Schneckchen waren super lecker und besser als ihr großes Vorbild. Denn der Zuckerguss war das i-Tüpfelchen.
    Danke!!!
    Liebe Grüße von derjenigen, die sich sofort darauf gestürzt hatte. :)

    AntwortenLöschen
  2. hmmmm.... Yummy....
    Schmatz....

    Hervorragendst!!!!

    AntwortenLöschen
  3. Ein großes Lob. Die Schnecken waren supiii

    AntwortenLöschen
  4. Endlich mal Exemplare, die beim Essen nicht die Haare verkleben (weil wagenradgroß) UND auch noch schmecken.
    Vielen DAnk!

    HorstD

    AntwortenLöschen
  5. Ich hatte auch eine und die war schön feucht und hat echt supa dupa geschmeckt.

    Da ich aber absolut auf Früchtchen stehe, werde ich deinem Rat folgen und falls ich denn mal backe(n lasse :-), mehr drauf tun.

    ***** Sterne für den Nachback!

    AntwortenLöschen
  6. Hallo,
    ich habe gerade verzweifelt in dem Rezept nach den Zutaten für den Hefeteig.
    Bzw. wo ist denn das Rezept für die besagten "Hefeteilchen" ?

    AntwortenLöschen