31. Oktober 2011

Happy Happy Halloween



Zum Gruseln schöne Monsteraugen. Wer jetzt keine Zeit mehr hat Cake-Pops zu machen (die sind ja auch gaaaar nicht aufwendig), aber noch einen Last-Minute-Grusel-Nachtisch für die Halloween Party braucht: 
Rote Götterspeise und Vanillepudding getrennt von einander in gleichen Mengen zubereiten (und mit Fertigpudding und -götterspeise gehts noch schneller). Nach dem Abkühlen in einer Schüssel vorsichtig miteinander vermengen, sodass von beidem dicke Stückchen zu sehen sind. Das ganze eitriges Blutbad nennen. Vor allem bei Kindern wäre das der letzte Schrei (fiese Lache einblenden).

Noch mehr schaurig schöne Cake-Pops gibts bei Bakerella, von der ich auch die Idee habe.

Viel Spaß an alle, die heute Halloween feiern!

27. Oktober 2011

Ausprobiert: Selbstgemachte eifreie Mayonnaise

Ich mag es nicht, etwas mit rohen Eiern zu essen. Ich weiß, es sollte kein Problem sein, wenn es ganz frische Eier sind und grade beim Eigelb bräuchte ich mir keine allzu großen Sorgen zu machen. Aber da bin ich numal so...
Allerdings gibt es auch wirklich wenig Mayo-Sorten im Laden, die mir tatsächlich gefallen. Der Großteil schmeckt mir zu sehr nach Essig, oder zu ranzig, oder mir wird schlecht, wenn ich den Zuckergehalt auf der Liste sehe, oder oder oder. Mayo selberzumachen ist dann schon reizvoll.
Welch hervorragender Schachzug vom Schicksal war es da, dass es mich über das Rezept für vegane, also eifreie, Mayo von Food and Fotos stolpern ließ. Schaut dort unbedingt mal vorbei! 
Das Rezept ist echt easypeasy und superschnell fertig. Die Würzung mit Senf (das nächste mal schärferen und mehr), Essig, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker erfordert von meiner Seite noch ein wenig Übung. Auf jeden Fall darf an das ganze nicht zu wenig Salz, sonst schmeckt es nicht! Bedenkt, dass ihr das Zeug ja nicht pur löffelt (oder doch?!?), sondern mit anderem Kram kombiniert und entsprechend sollte es dann auch noch zu schmecken sein. Noch ein paar Hinweise zur Herstellung: Die Sojamilch und das Rapsöl hatten Zimmertemperatur. Ich war nach einer Minute fertig mit dem Pürierstab. Die Sojamilch wird sagenhaft schnell fest und dann braucht man den Stab nur noch kurz hochzuziehen, fertig.


Das ganze ergibt eine relativ feste Mayo, quasi schnittfest, was ich absolut gut finde, denn häufig wird gekaufte Mayo zu einer flüssigen Sauce, sobald weitere Zutaten ins Spiel kommen. 
Und wie mit "echter" Mayo lässt sich damit allerhand anstellen. Als erstes ist ein Teil Mayo mit einer zerdrückten Knoblauchzehe und mehreren El Joghurt zu einer Aioli verarbeitet worden, verspeißt mit Pommes (jawohl!). Heute mittag mit etwas Pesto vermischt aufs Nussbrot, dadrauf Käse und ne zweite Scheibe Brot mit Tomatenmark bestrichen obenauf. Sehr empfehlenswert. Als Grundlage für Remoulade macht sich die Mayo bestimmt auch super.Weitere Ideen, was für toller Schweinkram sich mit Mayo anstellen lässt? Immer her damit!
Ich bewahre die Mayo in einem Schraubglas im Kühlschrank auf. Mal schauen, wie lange sich das wohl hält. Da wir keine allzu großen Mayo-Esser sind, werde ich das nächste Mal etwa die Hälfte herstellen. Und um zweifelnde Geister im Angesicht der Verwendung von Sojamilch zu beruhigen: Mein GGG war am Anfang zutiefst skeptisch und nach dem ersten Probieren überzeugt. Also ruhig mal abseits der gewohnten Pfade schauen!

!!!ABER ACHTUNG!!! Diese Mayo besteht immernoch zu einem großen Teil aus Fett. Sie ist genauso in Maßen zu genießen, wie "normale" Mayo! Ich wollts nur sagen, bevor mir hier Verführung ahnungsloser Mayoliebhaber vorgeworfen wird: Auch diese vegane Mayo ist nicht zum Löffeln da!

25. Oktober 2011

Weich, warm und kuschelig: Eine Happy Birthday-Cowl

Dieses gute Stück (ein Geburtstagsgeschenk) habe ich schon vor einigen Wochen fertig gestrickt und der heutige nass-kalte Tag schien mir perfekt, um die sonnig-kuschligen Fotos zu zeigen. Inspiriert hat mich dieses Modell von Veera Välimäki. Für das Naturweiß der Wolle haben mir am besten die Holz-Knebelknöpfe gefallen. So passt dieses Stück hoffentlich zu allen möglichen Farben und Formen von Wintergarderobe.


Die glatt rechts und kraus rechts und glatt links gestrickten Streifen, die untereinandern verzopft werden, finde ich besonders raffiniert.Habe schon überlegt, an welchem Strickstück das noch gut aussehen könnte. Ideen?


Und die Wolle ist ein dicker Traum, der Hals und Nacken im Winter bestimmt gut wärmt (und sich am Holzpfosten unseres Balkons doch richtig gut macht, nicht wahr?). Jetzt muss das ganze nur noch meiner Cousine gefallen, die es aber erst nächste Woche bekommt. Also psssst, noch nichts verraten!

Anleitung: Drauflosgestrickt, inspiriert vom Happy Solitude Cowl
Wolle: Drops Eskimo, 200gr
Nadeln: 8mm
Zeitaufwand: Dank der dicken Wolle und Nadeln ging es ruck zuck. An zwei oder drei Abenden war das ganze gestrickt.

19. Oktober 2011

Kirsch-Quark-Schnecken

Mein Geliebter mag ja Teig- und Backwaren aller erdenklichen Art. Dementsprechend mag er auch Bäckereien und ganz besonders gerne die bei seiner Arbeit um die Ecke (ist ja klar, sowas sichert die Laune, ich mag den Falafel-Versorger bei meiner Uni um die Ecke ja auch besonders gerne). Nun scheint dieser Bäcker tatsächlich die dollsten Sachen anzubieten und ganz besonders die Kirsch-Quark-Schnecken haben es meinem Gatten angetan. Er hat mir also immer wieder von diesen Schnecken vorgeschwärmt und schließt jedesmal mit "und die sind soooooo groß"(etwa kleine-Teller-Größe mit den Händen zeigend). 
"Aber,", meinte er einmal etwas geknickt, "die haben die nicht das ganze Jahr, letzten Herbst waren die einfach verschwunden und jetzt wird es die bestimmt auch bald nicht mehr geben." Den Trennungsschmerz in seiner Stimme, mindestens ein halbes Jahr ohne Kirsch-Quark-Schnecken verbringen zu müssen, konnte ich natürlich nicht ertragen und so verlangte ich absolut selbstlos, dass er mir so ein Ding doch mal mitbringen soll, dann kann ich das ja vielleicht nachbauenbacken. Er brachte mir also vor wenigen Wochen eine der tatsächlich riesigen Schnecken und beteuerte, dass sie sonst noch größer sind und noch mehr Kirschen haben. 


Ich habe also, in der totalen Aufopferung, diese Kirsch-Quark-Schnecke gegessen. Habe sie genau untersucht. Das sind nicht nur einfache Schnecken mit einer Kirsch-Quark-Füllung. Da sind auch noch Streusel drauf. STREUSEL! Und ein Zuckerguss. Und unvermeidbarer Weise ist das ganze auch aprikotiert. Ich habe mir also Notizen gemacht (ohne Scheiß!) und am Sonntag schließlich mehrere Stunden in der Küche verbracht. Das Ergebnis möchte ich euch nicht vorenthalten, es sollen schließlich möglichst viele von meiner unfassbaren Selbstlosigkeit profitieren (nennt man sowas schon Industriespionage?): 


Für etwa 34 Schnecken (das Rezept lässt sich problemlos halbieren): 
Zunächst einmal den Hefeteig aufsetzen. Weil er so schön saftig ist, habe ich direkt das Rezept für die Hefeteilchen benutzt, und zwar mit 1 kg Mehl und entsprechend auch die anderen Zutaten verdoppelt. Während der Teig geht, 1 Glas Kirschen (350gr) abtropfen lassen. Wer mag auch mehr, die Menge hängt ganz von eurem eigenen Kirsch-Bedürfnis ab. Den Saft auffangen, mit Mineralwasser verdünnen und als unerhört süße Schorle genießen. Die Kirschen sollten wirklich rechtzeitig abgegossen werden, damit sie später nicht zu nass sind und alles durchfeuchten. 


Für die Füllung braucht ihr neben den Kirschen auch eine Quarkmasse (logisch, daher der Name). Das geht echt easy-peasy. In einer Schüssel 750gr Quark (40%igen bitte) mit 100gr Zucker und 2 Päckchen Vanillepuddingpulver mischen. Fertig ist die Quarkmasse. 


Nun noch die Streusel vorbereiten. Dafür ganz einfach 55 gr Butter, 50 gr. Zucker und 100gr Mehl zu Streuseln verarbeiten. Die extra 5gr Butter habe ich zugefügt, um die Streusel etwas robuster und knuspriger zu machen. So als Kontrast zu den weichen Schnecken. 
Wenn alles vorbereitet ist und der Teig fertig gegangen, beginnt die ganz große Sauerei. Bitte missachtet also die ganzen Mehl,-Kirschsaft und Quarkpfützen auf den folgenden Bildern. So sieht es nunmal aus, wenn ich backe.


Der Teig (hier als noch unförmiger Kloß erkennbar) sollte auf einer gut bemehlten Oberfläche zu einem etwa 30x80cm großen Rechteck ausgerollt werden. Wenn ihr dass so gut könnt wie ich, dann ist dieses Rechteck in der Mitte grundsätzlich breiter als an den Enden. Das macht nichts. Es sollte nur ungefähr regelmäßig sein. 


Auf den Teig wird nun die Quarkmasse verstrichen. Am unteren Teil des Rechtecks habe ich nur eine ganz dünne Schicht aufgetragen, damit ich die gleich entstehende Rolle ordentlich verschließen konnte. 
Auf den ganzen Quark die gut abgetropften Kirschen verteilen. 


Den Ofen schonmal auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 


Nun alles aufrollen. Ich beginne dafür an der mir abgewandten langen Seite in einer Ecke und arbeite mich von rechts nach links und wieder zurück vor. Immer schön gleichmäßig rollen und darauf achten, dass die Kirschen auch schön mit eingerollt werden. Und nicht zu locker rollen! Zum Schluss den "Saum" gut zudrücken, damits nicht wieder aufgeht.


3-4 Backbleche mit Backpapier belegen. Die Rolle nun mit einem scharfen Messer in etwa 2 cm dicke Scheiben schneiden und die so entstandenen Schnecken mit genug Abstand auf die Bleche legen. Ist ein Blech voll, dieses mit einem Tuch abdecken und an einen warmen Ort stellen, wo der Teig noch ein bisschen gehen kann, bis es in den Ofen geht.


Wenn die Rolle komplett in Schnecken verwandelt wurde, ist das erste Blech wieder dran. Das Tuch entfernen und auf jede Schnecke Streusel streuen. Dann kommt das ganze für 15-20 Minuten in den Ofen. Bitte nicht aus den Augen verlieren. Wenn die Schnecken nach 15 Minuten schon goldenbraun-braun sind, sind sie auch fertig. 


Beim rausholen fühlen sie sich in der Mitte noch sehr weich an, das liegt aber einfach nur an der Füllung. Aber wer es genau wissen will schnappt sich die erste Schnecke vom Blech, reißt sie in der Mitte auf und genießt die weiche Herrlichkeit (für verbrannte Zungen übernehme ich keine Haftung). 
Sind alle Schnecken gebacken, dann könnt ihr den Zuckerguss anrühren. Ich hab das so pi mal Daumen gemacht und für die ganze Menge etwa 400gr Puderzucker teelöffelchenweise mit Wasser glatt gerührt. Den Guss könnt ihr über die heißen oder abgekühlten Schnecken sprenckeln.
Fertig. 


Leute, diese Schnecken sind eine kleine Schweinerei und leider auch etwas aufwendiger. Aber der Aufwand und die geschätzten 1000 kcal pro Stück sind die Sünde echt wert. Dabei sind sie definitv kleiner als das Original. Aber da sind diverse Zähne und Hüften bestimmt auch dankbar für.
Das Urteil meines geliebten Gattens und seiner Kollgen und meiner Kollegen war durchweg positiv. Ich würde sagen, jetzt ist der Winter gerettet. Das darf ich doch bestimmt nochmal machen, oder?

17. Oktober 2011

Das Experiment: Eine Tasche stricken und filzen

So, zum Was das wird-Post hier das Ergebnis. 
Nachdem ich diese Anleitung und die ganzen schönen Projekte dazu bei Ravelry gesehen hatte, wollte ich mich unbedingt mal am Strick-Filzen versuchen. So eine Tasche ist ja nie verkehrt und immer nützlich und das Stricken geht recht fix. 
Nun habe ich aber typischerweise die Anleitung nicht richtig befolgt und viel dünnere Filzwolle gekauft und davon auch nur 100gr pro Farbe. Tja. Aber da es ja auch erstmal ums ausprobieren ging, dachte ich, lasse ich es so. Insgesamt habe ich mehr Maschen angeschlagen (ich glaube es waren 40) und für den Boden 50 Krausrippen gestrickt. Die Höhe ergab sich dann aus der vorhandenen Wollmenge. Die Tasche hatte vor dem Waschen ungefähr die Maße 35x45 cm. Ich hab die Tasche in einen Kissenbezug gesteckt und mit 2 Jeans und ein paar kleineren Teilen bei 50° im normalen Programm gewaschen (und damit wahrscheinlich alle Angaben zum Waschen aus der Anleitung ignoriert). Raus kam eine deutlich kleinere Tasche, deren Maschen nicht zu stark verfilzt sind. So hatte ich mit das auch vorgestellt. Durch ziehen und zerren habe ich die Tasche fürs trocknen über eine Kiste gezogen bekommen, deren Ausmaße ich für genau richtig befunden hatte.
So sah die Tasche vorher aus: 


So schaut sie jetzt aus, dank meinem ziehen und zerren mit fast den selben Maßen wie vorher, aber ohne so labberig zu sein: 


Obwohl ich im Großen und ganzen zufrieden bin, gibt es doch ein paar Sachen, die mir nicht gefallen. Erstens hat die blaue Wolle leider auf die Weiße abgefärbt. Das hätte ich mir auch vorher denken können, hab ich aber nicht.


Zweitens ist die Tasche ziemlich zerknittert. Das hat sich auch durchs ziehen und zerren nicht geändert. Drittens ist die Taschenöffnung durch die Kraus-rechts-Reihen ein wenig breiter, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Ich bin da eher der Beutel-Taschen-Typ. 
Ganz allgemein halte ich mein Experiment aber für gelungen und halte diese Tasche für einen guten Einstieg ins Strick-Filzen.  

Wolle: Wolle Rödel Strick- und Filzwolle Fine in naturweiß und türkis
Nadeln: Rundstricknadel 5mm.
Zeitaufwand: mehrere Abende lustiges Rundenstricken. Da ich zweimal zurückstricken musste, hat es was länger gedauert...

9. Oktober 2011

Apfelstreusel

An einem kalten, windigen Tag mit Regen und schnell vorbeiziehenden Wolken (wie es gestern war, ich liebeliebeliebe dieses Wetter!) gibt es doch kaum etwas schöneres, als einen warmen, frischen Apfelstreusel, dessen Duft die Wohnung erfüllt. Besonders gut eignet es sich, wenn gleichzeitig mit diesem Wetter drei Äpfelchen im Korb liegen, die zwar noch gut, aber schon leicht schrumpelig sind. Und wenn die Lust etwas aufwändigeres zu backen grad nicht sooo groß ist. Aber das Beste am Apfelstreusel ist eindeutig das Wohlgefühl beim Essen. 


Für 2-4 Personen (je nachdem, ob als süßes Hauptgericht oder als Nachtisch):
Als erstes werden ungefähr 300gr Äpfel in circa 1x2cm große Würfel geschnitten und mit 2 El braunem Zucker, 2 El Limettensaft, Zimt und Ingwerpulver nach belieben gemischt. Aus Gründen des so-wenig-Spül-wie-möglich-Ansammelns lässt sich das prima direkt in der entsprechenden etwas kleineren Auflaufform machen, in der das ganze dann auch gebacken wird. Die Menge von Zucker und Limettensaft richtet sich ein wenig nach der verwendeten Apfelsorte. Ich hatte hier drei verschiedene Sorten, süß und sauer. Bei nur sauren hätte ich noch einen El mehr Zucker genommen.Und wer mag nimmt noch andere Gewürze, wie Nelkenpulver, ein wenig geriebene Muskatnuss, die ganz mutigen vielleicht sogar frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer.
Den Ofen schonmal auf 150°C Umluft vorheizen lassen. 
Nun werden die Streusel hergestellt. Dafür 50gr kalte (aber nicht steinharte) Butter in kleinen Stückchen mit 50gr Zucker und 100gr Mehl mischen. Ich nehme dafür immer erstmal einen Löffel, mit dem ich die Butter zusammen mit Zucker und Mehl zerdrücke und mische. Zum Schluss drücke ich die sehr feinkrümmlige Masse mit den Händen zu größeren Krümmeln zusammen und streue das Ganze über die Äpfel.
Im vorgeheizten Ofen bei 150°C 20 min backen, bis die Streusel anfangen braun zu werden.

Wer mag, reicht dazu eine Vanillesauce, Eis oder auch Eierlikör.
Die Zubereitung geht echt fix, auch wenn ich grad bei den einfachsten Rezepten immer ganz viel drumrum erkläre (hilft das eigentlich jemandem?).

6. Oktober 2011

Was das wohl wird...

Das frage ich mich ernsthaft, denn es ist ein kleines Experiment. Für mich zumindest ist es das erste Mal und daher bin ich sehr gespannt wie es wird. 


Das Ergebnis kommt hier dann in den nächsten Tagen, weil es noch nicht fertig ist. Aber dieses Vorher-Bild wollte ich schonmal mit euch teilen, weil die Sonne darauf scheint und euch hoffentlich diesen verregneten Tag schöner macht! 
Ganz ehrlich, ich bin gespannt wie Bolle, ob das alles so klappt, wie erhofft... (btw, wer weiß eigentlich, wer oder was Bolle ist?)

4. Oktober 2011

Habt ihr schon "Glennkill" gelesen?



Jeder ließt Bücher auf seine ganz eigene, individuelle Art und Weise. Ich kenne da jemanden, der hingebungsvoll ganze Kapitell überblättert weil "der da jetzt schon wieder von seiner Vergangenheit/seinen Gefühlen spricht. Wen interessiert das denn?" 
Ich bin da auf andere Art eine rücksichtslose Leserin. Wenn ich mein Buch lese, dann lese ich mein Buch. Egal ob ich in meinem Wohnzimmer sitze, im Zug oder auf einer 10-Stunden-Busfahrt. Ich lese mein Buch und befinde mich in anderen Zeiten, auf Reisen in fernen Ländern. Wenn es im Buch Winter ist, dann hole ich mir eine Decke, auch wenn es Sommer ist und wir 25° in unserer Wohnung haben. Wenn es im Buch durch die Wüste geht und meine Helden nichts zu trinken haben, spüre auch ich unstillbaren Durst und leide, anstatt aufzustehen und mir ein Wasser zu holen. 
Und ich bin ganz erstaunt, wenn ich nach meiner Lesestunde vom Buch aufschaue und auf einem braunem Sofa sitze, anstatt auf einer saftig-grünen Wiese an einer irischen Küste zu stehen, im Sonnenschein, bei gelegentlichen Schauern und einer leichten Brise, mitten in einer Schafsherde, mit Miss Maple, Othello und Mopple the Whale, Zora, Sir Ritchfield und dem Winterlamm, eine Naswohlblume kauend und überlegend, warum unser Schäfer George Glenn tot auf der Weide liegt, erstochen von einem Spaten. 
Der Schafskrimi Glennkill besticht durch eine einfache, klare Sprache, mit viel Wortwitz aber ohne  Worterbrechen. Vom Tod ihres Schäfers zutiefst getroffen, denn wer füllt jetzt den Futtertrog und ließt abends aus den Pamela-Romanen vor, versuchen die Schafe den Täter zu finden. Mit drolliger Situationskomik, vor allem, wenn die Welt der Schafe und die der Menschen aufeinandertrifft, und dem kriminalistischen Riecher von Miss Maple kämpfen sich die Schafe durch diesen Fall, lediglich unterbrochen vom Grasen, schlafen und der Betrachtung der Wolkenschafe. 
Hier geht es um überlegene Wolligkeit, um Abgründe, um viel Gras (nicht nur grünes), um Verlorengehen und Wiederfinden, um Zusammenhalt und um Alleinsein. Und die Beobachtungen des Herdenverhaltens beim Menschen sind einfach nur treffend. Letztendlich geht es sogar um Gott und Satan. Wobei sich keiner vorstellen kann, wieso ausgerechnet Satan, der  alte, schreiende Esel von der Nachbarweide, George umgebracht haben sollte, wohingegen Gott, der Langnasige, der im größten Haus des Dorfes wohnt, den Schafen ziemlich suspekt erscheint. Ganz ernst zu nehmen ist diese Geschichte vielleicht nicht, aber sie macht einfach Spaß.
Das bereits 2005 erschienene Buch von Leonie Swann lag gottweißwielange ganz vorne in den Bestsellerlisten. Es hat viel Lob erhalten, aber auch viel böse Kritik. Bei Büchern gilt da für mich dasselbe, wie beim Essen: Jedem das seine. Ich habe Glennkill gerade zum dritten Mal gelesen und amüsiere mich noch immer. Wer mich nach einer schönen Lektüre fragt, etwas leichtem nach dem letzten Tolstoi, dem empfehle ich dieses Buch. Und wer dann noch nicht genug von den Schafen hat, kann sich in Garou mit der Herde vor einem Werwolf fürchten.