30. August 2012

Spätsommerglück: Tomaten auf Blätterteig

Die große Hitzewelle ist ja zum Glück vorbei. Der September steht vor der Tür und das bedeutet der Herbst ist nicht mehr weit. Wahrscheinlich bin ich die einzige, die sich darüber freut, oder? Über raschelnde Blätter in den schönsten Farbtönen, über frischen Wind und düstere Herbststürme, über knackige Äpfel und saftige Kürbisse. Da könnte ich stundenlang schwärmen. Und das beste am Herbst? Er kündet vom nahenden Winter - meine Lieblingsjahreszeit. 
Wenn ihr gedanklich aber noch im Hochsommer steckt (und nur weil ich es gerne so hätte, ist er ja nicht vorbei) dann werden euch auch die derzeitigen Erntereichtümer erfreuen. Tomaten und Gurken, die unfassbar gut schmecken. Frische, knackige Bohnen. Pralle Kirschen. Die Natur beschenkt uns reichlich und meine Eltern zum Glück auch mit einer Gemüselieferung. So können wir uns im Tomatenglück wiederfinden, auch wenn die eigenen Balkontomaten nicht so richtig wollen. 
Das die Tomaten derzeit wahre Geschmacksbomben sind, muss ich wohl keinem erzählen. Aus dem Ofen schmecken sie dann (wie eigentlich fast alles) nochmal so gut. Die Tomatentarte, die wir gestern hatten, ist ein gute Wahl für ein schönes Spätsommeressen. Und geht auch noch wahnsinnig fix.


Für 6-8 Personen als Teil einer leichten Vorspeise oder für 2 Personen als Hauptgericht:
1 Rolle Blätterteig aus den Kühlregal holen. 
Den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 
200gr Créme Fraîche mit 1 durchgepressten Knoblauchzehe vermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. 
Etwa 6 mittelgroße Tomaten waschen und den Strunk entfernen. Die Tomaten in möglichst dünne Scheiben schneiden. 
Den Blätterteig auseinanderrollen und mit einem Nudelholz etwas in der Breite auswallen. Mit einem scharfen Messer rundherum 1 cm Rand abschneiden und als Rahmen auf die Platte kleben. Den Blätterteig auf ein mit Backpapier versehenes Blech legen.
Nun die Créme Fraîche in der Mitte gleichmäßig verstreichen. Die Tomatenscheiben dachziegelartig in einer Lage auf der Créme verteilen. Zum Schluss etwa 1 Tl getrockneten Oregano darüber streuen. 
Die Tarte etwa 25 Min. backen. Danach sind die Tomaten noch saftig, aber genug gebacken, um einen noch intensiveren Geschmack zu haben. Vor dem Servieren habe ich die Tarte nochmal mit ein wenig Oregano und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer bestreut und 2 El Olivenöl darüber geträufelt. Für mich hat ein fruchtiger Rotwein dazu sehr gut gepasst, für meinen Geliebten ein Glas eiskalter Orangensaft. 
Auf dem Foto seht ihr vielleicht, das ich sowohl rote, als auch grün gestreifte Tomaten verwendet habe. Hätte ich auch noch gelbe gehabt, die wären mit drauf gekommen. Die Farben und Aromen der verschiedenen Tomatensorten geben der Tarte nochmal den letzten Schliff.

Wie steht ihr denn so zum Spätsommer? Fehlen euch noch ein paar Wochen heißer Sonnenschein, oder freut ihr euch mit mir auf die Herbststürme?

22. August 2012

Kräuter-Knabber-Nüsse

Diese ganzen kleinen Knabbereien sind Teufelswerk. Findet ihr nicht auch? Kaum steht eine Schüssel mit Chips/Flips/Salzstangen auf dem Tisch, schon sind alle mit Knabbern beschäftigt und die Schüssel ist - ruckzuck - leer. Die Finger sind salzig-klebrig, der Magen zu später Stunde unangenhem gefüllt und das Gewissen schlecht. Aber trotzdem, alle lieben dieses Teufelszeug. 
Ich auch. 
Unwiderstehlich finde ich auch selbstgemachte Knabbernüsse. Da könnte man sich jetzt trösten und sagen, dass Nüsse ja wichtige Nährstoffe enthalten und selbstgemacht grundsätzlich besser ist als gekauft. Aber seien wir ehrlich - auch das ist Teufelszeug. Und gutes Teufelszeug kommt selten allein. Wem die scharf-süßen Nüsse nicht so zusagen, findet in diesen Kräuternüssen vielleicht sein ganz persönliches Teufelszeug.


Meine Eltern machen solche Nüsse seit Jahren. Sie haben das Rezept aus irgendeiner Zeitschrift aus den 90ern (!). Der Renner auf jeder Party und zu jeder Gelegenheit. Die kleinen, wohl verteilten Schalen mit den Kräuternüssen werden schneller in Beschlag genommen als man "da drüben stehen auch ... Chips" sagen kann...Teufelszeug eben. 


Für eine große Runde: 
Den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 
1 Bund Thymian und 3 El Rosmarinnadeln sehr fein hacken. In einer kleinen Schüssel die Kräuter mit 2 Tl Salz und 1 Tl Rauchsalz ordentlich vermengen. In einer großen Schüssel 1 Eiweiß und 3 El Rapsöl vermengen und 700-750gr Nüsse und Kerne dazugeben und solange verrühren, bis alle Nüsse überzogen sind. Die Würzmischung dazugeben und ordentlich verteilen.
Die Nussmischung auf ein Blech mit Backpapier verstreichen und im heißen Ofen etwa 15-20 Minuten rösten. Dabei alle 5 Minuten wenden! Die Nüsse sind fertig, wenn sie herrlich duften und trocken aussehen. 

Für diese Mischung gilt wie immer: nehmt, was euer Herz begehrt - Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Kürbiskerne, Cashewkerne, Sonnenblumenkerne. Auch bei den Kräutern könnt ihr variieren und nur Thymian oder nur Rosmarin nehmen. Das Rauchsalz gibt den Kräuternüssen einen feinen Geschmack, kann aber auch weggelassen werden.
Die Nüsse eignen sich auch super als Gastgeschenk oder hübsch verpackt als kleines Dankeschön.
Was haltet ihr denn von solchem Teufelszeug?

18. August 2012

Käse-Blätterteig-Teilchen

In der finstersten Nacht stehen Graeme und Clive mitten in Nevada an einem Briefkasten. Meilenweit nichts. Aber DER Briefkasten. Unscheinbar und doch ganz groß. Auf diesen Augenblick haben die beiden schon lange gewartet. Dieser Briefkasten ist einer der Gründe, warum zwei britische Nerds im Wohnmobil durch die Wüste fahren. 
Doch sie sind nicht allein. In der Ferne tauchen auf dem Extraterrestrial Highway die Scheinwerfer eines Autos auf. 
Regierungsagenten? 
Unterbelichtete Hinterwäldler? 
Graeme und Clive stürzen zurück in ihren Wohnwagen und geben Vollgas. 

Und meine Hand wandert zum nächsten Käseteilchen. Im Kino muss es Popcorn sein, beim Filmabend daheim solche Teilchen, egal ob herzhaft oder süß. Unkompliziert und schnell gemacht (die Zubereitung dauert ungefähr so lange, wie die Universal-Blu-rays zum Laden brauchen...)


Für 12 Stück: 
Den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 
3 TK-Blätterteigscheiben rausholen und auftauen lassen. 
In einer Schüssel 3 gehäufte El Créme Fraîche mit ebensoviel geriebenem Bergkäse mischen. Mit etwas Salz, ordentlich schwarzem Pfeffer und 1/2 El getrocknetem Oregano würzen. 
Die Blätterteigscheiben vierteln und mit einem Nudelholz zu Quadraten ausrollen. Die Quadrate in Silikonmuffinförmchen legen und mit der Käsemasse füllen.
Im heißen Ofen etwa 15 Minuten backen, bis die Teilchen eine goldene Farbe angenommen haben. Vor dem Servieren etwas abkühlen lassen. 

Während ich also mein zweites Käseteilchen verspeiße überholt der Wagen die beiden Nerds und kommt von der Straße ab. Nerds scheinen zwar keine großen Helden zu sein, aber sie haben ein großes Herz. Sie halten an, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Aber was da im Dunkeln auf sie wartet brockt den beiden ziemlich viel Chaos ein... Paul.

15. August 2012

Sommergedanken und Tomaten-Tartelettes mit Spinat

Oh weh, oh weh... jetzt ist mein letzter Post schon einen Monat her. Völlig unbeabsichtigt hatte mich eine kleine Post-schreib-Blockade überfallen... man könnte es auch Sommer nennen. Dabei ist überkochen bereits letzten Monat 1 Jahr alt geworden! Noch ein Sommergeburtstagskind, denn Grund zu feiern haben wir im Sommer auch sonst immer: gaaanz viele Geburtstage geben stets Anlass zum backen, backen, backen. Eine wundervolle Schokoladen-Kirsch-Torte habe ich im Juli gezaubert.... und vergessen sie zu fotografieren. Hrmpf. Am Freitag steht aber noch eine Geburtstagsfeier an, zu der ich ein Blech herrlich saftigen Schokoladenkuchen backen werde und meinem Onkel in Spe damit zeigen kann, dass Mehl nicht immer die wichtigste Zutat beim Kuchen backen ist (wollte er mir nicht glauben, selbst Schuld, jetzt muss er diesen Kuchen essen...). 
Zwischenzeitlich haben die gnädigen Sonnenstrahlen unsere Balkontomaten zum reifen gebracht. Besser gesagt: Unsere drei Mini-Nasch-Tomatensträuche (nachgezüchtet von dem Biomarktstrauch letztes Jahr) tragen unfassbar viele, unfassbar leckere und süße Tomätchen, mittlerweile haben wir schon um die 750 gr davon ernten können! Dafür lassen sich die anderen Tomaten ungeheuer viel Zeit, die Ochsenherzen werden einfach nur immer größer und größer, die grün gestreiften haben Startschwierigkeiten und die gelben Datteltomaten werden wir nicht mehr nachzüchten, weil sie schon im grünen Zustand faul werden. 
Bis auf die süßen kleinen sieht es bei unserer Tomatenernte bislang also recht bescheiden aus. Die süßen kleinen bieten aber genug, um herrliche Tartes mit Tomaten verspeißen zu können. Da treffen sich ja zwei meiner absoluten Favoriten, Sommerlieblinge.
Richtig gut sind auch die folgenden Tomaten-Tartelettes mit Spinat: 


Für 4 Tartelettes á 14cm oder einen 28cm-Form: 
Den Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen. 1 Rolle frischen Blätterteig aus dem Kühlschrank nehmen.
500gr frischen Spinat gründlich waschen und verlesen und gut trocken schleudern. 1 Zwiebel fein würfeln und 1 Knoblauchzehe durchdrücken. Die Zwiebel und den Knoblauch bei mittlerer Hitze in einer großen Pfanne in etwas Olivenöl glasig dünsten. Den Spinat dazugeben und unter mehrmaligem Wenden zusammenfallen lassen. Sehr gut mit Salz und Pfeffer abschmecken. 


Für den Guss 200gr Créme Fraîche, 2 Eier, Salz, Pfeffer und Muskat verrühren. 
1 Mozzarellakugel in Scheiben schneiden.
8-12 kleine süße Naschtomaten halbieren.
Für die vier Tartelettes den Blätterteig ausrollen und vierteln, evtl. mit dem Nudelholz noch ein wenig ausrollen (für eine große Form etwa 5cm der Schmalseite abschneiden und an die Längsseite pappen). Den Blätterteig auf die mit Backpapier versehenen Formen verteilen. 
Nun beginnt mal wieder Schichtarbeit: Zuerst den Spinat auf dem Blätterteig verteilen. Dann den Guss darüber geben. Die Mozzarellascheiben obenauf geben und schließlich die Tomatenhälften ansprechend darauf anrichten.
Die Tartelettes oder die Tarte im heißen Ofen etwa 20-25 Minuten backen.
Schmeckt herrlich mit einem Glas Weißwein auf einem sonnenbeschienen Balkon bei einer leichten Brise. 

Habt ihr auch Tomaten auf dem Balkon oder im Garten? Wie geht es euren Pflanzen in diesem Sommer? Und was mich auch brennend interessiert: Was sind eure Lieblingssorten? Über Anregungen für nächstes Jahr würde ich mich sehr freuen!

11. Juli 2012

Sockenwollrestetuch Frei Schnauze

Ein Tuch zu stricken kann mitunter das einfachste sein, das es zu stricken gibt. Die wichtigste Voraussetzung: rechte Maschen. Auch gut: linke Maschen. Außerdem: Maschen durch einen Umschlag zunehmen können. Tadaa: ein Tuch. Ein guter Freund kombinierfreudiger und allwettertauglicher Mode. In grau-blau-weiß passt dieses Tuch zu 90% meiner Garderobe. Das ist aber eher Zufall... 
...oder auch nicht, denn NATÜRLICH stricke ich meine Socken farblich passend zu meinen anderen Sachen. Hm, dann ist es wohl doch kein Zufall.


Falls ihr euch auch so ein zugegeben sehr schlichtes Tuch stricken wollt: 
5 Maschen anschlagen. 
1. Reihe (Hinreihe): 2 M re, Umschlag, (Marker setzen) 1 M re, Umschlag, 1 M re. 
2. Reihe (Rückreihe): alle Maschen und Umschläge re. 
3. Reihe (Hinreihe): 2 M re, Umschlag, re M bis zum Marker, Umschlag, Marker auf rechte Nadeln heben, 1 M re, Umschlag, re M bis zu den beiden letzten Maschen, Umschlag, 2 M re. 
4. Reihe (Rückreihe): alle Maschen und Umschläge re. 

Die 3. und 4. Reihe solange wiederholen, bis ihr die gewünschte Größe erreicht habt. Zwischendurch nach Lust und Laune und Wollvorrat die Farbe zum Reihenbeginn wechseln. 
Ich habe nach 30 Reihen krausrechts erstmal glatt rechts gestrickt, also in den Rückreihen linke Maschen (bis auf die vier Randmaschen).  Nach 50 cm glatt rechts wollte ich wieder 30 Reihen kraus rechts als Abschluss arbeite, die Wolle hat aber nur noch für 14 Reihen gereicht. So ist eine Gesamthöhe in der Mitte von 65 cm entstanden.


Diese Anleitung lässt sich auf jede Wolle anwenden. Für dieses Tuch habe ich eben verschiedene Reste Sockenwolle benutzt, insgesamt waren es dann doch 144gr. Vertsrickt mit 3,5mm-Nadeln für einen schönen lockeren Fall. 
Der Vorteil dieser robusten Wolle liegt eindeutig darin, dass ich das Tuch vergleichsweise sorglos in der Waschmaschine im Wollwaschprogramm waschen kann. Das Trocknen auf einem Handtuch und gleichzeitiges, leichtes Spannen empfehlen sich trotzdem. Der Nachteil ist das leichte Kratzen am Hals, vor allem im Vergleich zu diesem guten Stück. Für mich grundsätzlich kein Problem, aber ich kenne viele, die Stricksachen zwar schön finden, die einfache Schurwolle aber nicht vertragen. 
Das war mein zweites Tuch, das ich im Frühjahr getsrickt habe - wo das noch hinführt? 

Anleitung: Frei Schnauze von mir selbst
Garn: Drops Fabel (weiß),  Schoeller+Stahl Fortissima Socka (jeansblau), Peterle Wolle (grau), insg. 144gr
Nadel: 3,5 mm